Kundenporträt: Ekkharthof – Vereinsstruktur und regionale Verankerung als Erfolgskonzept

Die Heil- und Bildungsstätte im Kanton Thurgau bietet geistig beeinträchtigten Kindern und Erwachsenen seit über 40 Jahren interne und externe Schul-, Wohn- und Arbeitsplätze. Trotz Wachstum und diversen organisatorischen Neustrukturierungen hat sich die kleine aber feine Vereinsstruktur in all den Jahren als ideale Organisationsform erwiesen.

Hoch über dem Bodensee, umgeben von Wiesen und Wäldern, liegt die 21 Hektar grosse Anlage des Ekkharthofs, der neben einem grossen Bio-Bauernhof ein Sonderschulheim für Kinder und Jugendliche, ein Erwachsenen-Wohnheim sowie geschützte Arbeitsplätze in verschiedenen Berufsfeldern umfasst.

Den Grundstein für die thurgauische Einrichtung für Menschen mit Unterstützungsbedarf legte Marti Hofer 1957. Ihr Anliegen war es, seelenpflegebedürftige Kinder und später auch Erwachsene, basierend auf einem anthroposophischen Menschenbild und der daraus resultierenden Methodik, zu betreuen und zu fördern.

«In der Anfangszeit wurden 15 Kinder aus der ganzen Welt in einem Haus in Leimbach betreut», blickt der Vorsitzende der Institutionsleitung, Jürg Bregenzer, zurück. «Einerseits gab es kaum Wohn- und Schulungsplätze für geistig behinderte Kinder, andererseits bot die Anthroposophie eine gute Basis für eine gute Förderung und Begleitung.»

Vereinsstruktur gibt Handlungsspielraum
Marti Hofer und ihren Mitgründern war nach kurzer Zeit klar, dass die Nachfrage das Angebot massiv überstieg. Per Zufall konnte sich das Team 1962 durch Vorkauf einen landwirtschaftlichen Betrieb auf dem Gemeindegebiet Lengwil-Oberhofen sichern. Damit stand der Planung und dem Bau des Ekkharthofs nichts mehr im Wege – ausser die damalige Organisationsstruktur: «Das riesige Projekt überstieg die Möglichkeiten einer privaten Trägerschaft und so wurde zur Professionalisierung der Verein Ekkharthof gegründet.»

Die Vereinsstruktur hat bis heute Bestand – trotz enormem Wachstum der Organisation und trotz diversen Umbrüchen und Weiterentwicklungen. «Genau das macht den Ekkharthof zu einem interessanten und abwechslungsreichen Kunden», erklärt Christian Siegfried, Partner und Leiter der Wirtschaftsprüfung von OBT Weinfelden. «Seit 2009 prüfen wir dessen Bücher nach Swiss GAAP FER 21 für Non-Profit-Organisationen.» In all den Jahren habe man zwar immer mal wieder darüber diskutiert, ob der Verein zum Beispiel in eine Stiftung überführt werden soll, letztlich habe sich die Vereinsform aber immer als optimaler herausgestellt. Warum dem so ist, fasst Jürg Bregenzer wie folgt zusammen: «Wir sind agiler und haben damit einen grösseren Handlungsspielraum als mit einer Stiftung.»

Wachstum dank regionaler Verankerung
Der Vereinsvorstand und die Institutionsleitung zeichnen sich durch Konstanz aus. Kommendes Jahr wird Jürg Bregenzer nach rund 40 Arbeitsjahren für den Ekkharthof in Pension gehen. «Als ich Anfang der 80er-Jahre die Stelle als Werklehrer antrat, hätte ich nie und nimmer damit gerechnet, am Ekkharthof pensioniert zu werden», schmunzelt er. Nach einer Dekade als Lehrer übernahm Bregenzer die Schulleitung. Während 20 Jahren in dieser Funktion wirkte er bei unzähligen Veränderungen mit und erlebte das enorme Wachstum der Institution auf allen Ebenen hautnah. «Mittlerweile beschäftigen wir 300 Mitarbeitende und sorgen uns um 200 Klientinnen und Klienten.» Verschiedene Organisations- und Qualitätsentwicklungsprozesse führten Anfang der 2000er-Jahre mehr oder weniger zur heutigen Struktur. «2004 teilten wir den Ekkharthof in zwei Einrichtungen mit eigenständigen Heimleitungen auf: in ein Sonderschulheim für Kinder und Jugendliche sowie in ein Wohnheim mit Beschäftigung für Jugendliche und Erwachsene.»

2006 wurde neben den in den 90er-Jahren bereits eröffneten Aussenstellen in Steckborn und Berg das heilpädagogische Zentrum in Kreuzlingen eröffnet. «Möglich war dies vor allem durch unsere starke regionale Verankerung und Vernetzung.» Diese Vernetzung empfindet auch Christian Siegfried von OBT als grosses Plus: «Obwohl wir jeweils nur an rund vier Tagen vor Ort sind, ist diese für uns spür- und sichtbar.» So kommen beispielsweise Eltern aus den umliegenden Orten ins Babyschwimmen, die Theater- und Musikanlässe werden rege besucht und Vereine halten ihre Anlässe im neu erstellten Gastronomiegebäude ab.

Auch die Kontakte zum Kanton, die in jüngster Vergangenheit aufgrund der veränderterten Fakturierungsprozesse etwas intensiver waren, verlaufen herzlich und unkompliziert. Dasselbe gilt für den Kontakt mit den Mitarbeitenden und den Klienten des Ekkharthofs. «Ich schätze es sehr, dass ich dank diesem Kunden Einblicke in eine ganz andere Welt erhalte, in der neben unserer genauen Arbeit auch das Zwischenmenschliche sehr wertgeschätzt wird», betont der OBT Experte.

Erfolgreiches Grossprojekt
Wertschätzung und Zusammenarbeit wurden auch im jüngsten, vier Jahre dauernden Grossprojekt des Ekkharthofs grossgeschrieben: dem Um-, Aus- und Neubau verschiedener Gebäude.

«Mit einem Budget von 24 Millionen Franken war dies das grösste von uns je getätigte Projekt. Wir konnten damit zudem den Paradigmenwechsel sichtbar machen», erklärt Jürg Bregenzer stolz. War das ursprüngliche Gebäude-Ensemble aus den 70er-Jahren eher introvertiert als eine Art Wagenburg gestaltet, strahlen der neue Haupteingang, das erweiterte Schulgebäude und vor allem das luftige Gastronomiegebäude genau die Offenheit aus, die Jürg Bregenzer und sein Team in der Arbeit mit ihren Klienten auch pflegen. «Menschen mit Behinderung brauchen keinen Schutz vor einer verständnislosen Gesellschaft mehr, denn sie sind heute Teil einer verständnisvollen Gemeinschaft.» Bis auf 2.5 Millionen Franken waren alle Kosten für das Projekt schon früh gedeckt: die Hälfte durch Direktzahlungen des Kantons und die andere Hälfte durch eine Vorfinanzierung, die über die kommenden 25 Jahre abgeschrieben wird. Die fehlenden 2.5 Millionen Franken haben die Heimleitung und der Verein selber aufgetrieben. Dies geschah mittels Verlosungen, Versteigerungen von Werken regionaler Künstler und der Unterstützung von Stiftungen und vielen Sponsoren.

Ein Grossteil der neu- und umgebauten Gebäude wurde im vergangenen Jahr bereits eingeweiht, der neue Haupteingang sowie die darin integrierte Begegnungszone mit Cafeteria, Laden und Empfang folgen im Laufe dieses Jahres. Das gilt auch für den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Jürg Bregenzer. «Die Suche ist eingeleitet und ich bin zuversichtlich, dass ich mich im kommenden Jahr meinen privaten Projekten werde widmen können.» Das wären: Jazzmusik und das Entdecken von unbekannten Gewässern mittels Solarboot.

Alle Zeichen stehen auf eine noch lange und weiterhin erfolgreiche Zukunft des Ekkharthofs.

Zusammenarbeit mit OBT
Dank der Umsicht und der persönlichen wie auch professionellen Betreuung der OBT Experten fühlt sich die Leitung des Ekkharthofs als Non-Profit-Organisation seit Jahren gut begleitet. «Wir schätzen es sehr, dass die Wirtschaftsprüfer auch in unserem etwas anderen Umfeld immer den richtigen Ton finden und sich nicht nur als Fachexperten, sondern als wertschätzende Gesprächspartner positionieren», erklärt Jürg Bregenzer. Im Weiteren erlebten sie OBT auch als fordernde Ratgeber. «Genau das bringt uns dazu, uns nicht nur bei der Arbeit mit den Klienten weiterzuentwickeln, sondern auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel der IT oder in administrativen Prozessen.»

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